Sperberweibchen gesund ausgewildert

5. November 2009 von Hannelore Ramm

Sehr erfreulich verlief der Genesungsprozess eines Sperberweibchens. Nach zweiwöchiger Pflege konnte der kleine Greifvogel wieder in die Freiheit entlassen werden.
Sperber
Das Sperberweibchen wurde im September in Celle hilflos auf der Strasse liegend aufgefunden und zum Tierheim Celle gebracht. Ein englischer Soldat fand sie vor der Kaserne, nähere Umstände sind nicht bekannt.

Ich habe mich also nach Absprache mit der Tierklinik Dr. Sommer-Radschat auf den Weg gemacht, um den zunächst als Bussard bezeichneten Vogel im Tierheim abzuholen. Ein kurzer Blick durch einen Spalt im Karton sagte mir, dass es sich hier um ein adultes (erwachsenes) Sperberweibchen handelte.
Die folgende Untersuchung in der Tierklinik ergab, dass keine Knochenbrüche diagnostiziert werden konnten, nur der Allgemeinzustand war bedenklich. Sie hatte Prellungen, war sehr schwach und auch sehr stark abgemagert. Das Brustbein stach spitz hervor, der linke Flügel hing kraftlos herab und das linke Bein war auch nicht voll einsatzfähig. Die Vermutung lag nahe, dass der kleine Greif bei der Jagd gegen ein festes Hindernis z. B. eine Glasfläche geflogen oder im Straßenverkehr zu Schaden gekommen sein muß, denn Sperber sind rasante Jäger. Aufgrund ihrer Verletzung war sie dann nicht mehr in der Lage, sich selbst mit Nahrung zu versorgen. Flug- und jagdunfähig wie sie war, hat sie wahrscheinlich viele Tage irgendwo am Boden dahinvegetiert. Das erklärt auch den starken Gewichtsverlust, denn sie wog nur noch 155 Gramm.
Sperber 2
Nun habe ich „Gerda“ zu mir nach Hause genommen, in unsere Pflegestation des NABU Hambühren, um sie wieder aufzupäppeln Es ist immer wieder erstaunlich, wie Tiere reagieren, sie spüren genau, dass ihnen geholfen wird. Nie hat sie nach mir gehackt oder eine Abwehrhaltung gezeigt.
Nach anfänglichem Zögern nahm Gerda das angebotene Fleisch direkt von der Hand. Immer wieder habe ich ihr kleine Portionen angeboten, damit der kleine Körper nicht überfordert wird. Ihr Zustand besserte sich von Tag zu Tag. Ausgehungert, wie sie war, verschlang sie große Portionen Fleisch und nahm dabei fast täglich ca. 20 Gramm an Gewicht zu. Nun konnte sie in die Voliere umziehen und ihre Nahrung selbst aufnehmen, und auch ihre Schwingen und Beine erproben. Kraftvoll flog sie von einem Ansitz auf den anderen. Nach zwei Wochen war sie wieder völlig genesen, sehr vital und drängte in die Freiheit. Sie hatte nun ein Gewicht von 285 Gramm erreicht, das Idealgewicht einer Sperberfrau. Mit einem Proviant von 25 Gramm im Kropf konnten wir (mein Mann und ich) Gerda wieder in die Freiheit entlassen.
Dieses Ergebnis ist auch wieder ein Erfolg für den Naturschutz in Hambühren, denn jeder Sperber, der der Natur erhalten bleibt, hilft die Population zu erhalten.
Sperber gehören zu unseren kleinsten heimischen Greifvögeln. Als Besonderheit zeigen Sperber einen auffallenden Größenunterschied zwischen Männchen und Weibchen – so groß wie bei keiner anderen heimischen Greifvogelart. Während Sperbermännchen im Mittel 150 Gramm wiegen, werden die Weibchen bis zu 300 Gramm schwer. Dieser Unterschied hat Auswirkungen auf die Arbeitsteilung der Elternvögel während der Brutzeit und Jungenaufzucht. Die kleineren und wendigeren Väter erbeuten vorwiegend Kleinvögel bis zur Amselgröße und ernähren damit das brütende Weibchen und die frisch geschlüpften Jungen. Die Sperber-Powerfrauen verteidigen den Nachwuchs gegen Feinde. Der Hauptanteil bei der Nahrungsbeschaffung für die bettelnden Nestlinge liegt deshalb bei den Männchen.
Text und Fotos: Hannelore Ramm

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